Drucken

Wilhelm Knabel

Wilhelm Knabel wurde 1884 in Oberschützen (Felsőlövő, damals Komitat Vas, heute Burgenland, Österreich) geboren. Sein Vater warWilhelm Knabel Tischlermeister, die Familie sprach zwar deutsch, doch war sie streng ungarisch gesinnt. Knabel besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Oberschützen, wo sich bereits sein literarisches Talent zeigte, als er mit seinen Mitschülern ein humoristisches Wochenblatt gründete und herausgab. Dies war auch dem ungarischen Schriftsteller Ferenc Móra, Knabels Lehrer, zu verdanken, der ihn zum Schreiben ermunterte. Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt in Oberschützen folgte Knabel dem Weg, den ihm das dort erhaltene Diplom für Schulunterricht in deutscher und ungarischer Sprache eröffnete: sein ganzes Berufsleben lang (bis zur Pensionierung 1942) arbeitete er als Lehrer und sein gesamtes Leben lang war er Pädagoge im besten Sinne des Wortes, indem er sich für die Erziehung der Menschen und die Vermittlung von Kenntnissen einsetzte. Zunächst veröffentlichte er in ungarischer Sprache, so 1909 die Sammlung „Karácsonyfa alatt” mit für die ungarischen Volksschulen zur Weihnachtsfeier geeigneten Gedichten und Szenen, und ab 1911 Berichte und Artikel in verschiedenen Tolnauer Zeitschriften. Ab 1913-1919 veröffentlichte er in deutscher Sprache im Bonnharder (Bonyhád) Wochenblatt „Bauernbund”, es folgten dann etliche literarische Arbeiten sowohl in deutscher als auch in ungarischer Sprache. Nachdem er in Rente gegangen war, wandte er sich mit viel Engagement der Volkskunde und der Geschichte der Ungarndeutschen - in erster Linie von Bonnhard und Umgebung - zu, so dass er erst in den sechziger Jahren wieder zur Literatur zurückfand. Als Schriftsteller schrieb er in humorvollem Ton über das alltägliche Leben der Ungarndeutschen in Bonnhard und der Region. Außer Erzählungen sind vom ihm Gedichte, sowohl hochdeutsche als auch in der Mundart, und dialogische Szenen verfasst worden.

Eine besondere Bedeutung kommt Wilhelm Knabel deshalb zu, weil er ein maßgeblicher Initiator des Preisausschreibens „Greift zur Feder!” war, aus dem der spektakuläre Neubeginn der ungarndeutschen Literatur hervorging. Bereits 1967 fragte er in einem offenen Brief, der in der „Neuen Zeitung” erschien: „Könnte die NZ nicht (…) einen Wettbewerb, ein Preisausschreiben veröffentlichen?”

Es dauerte noch sechs Jahre, bis der Aufruf erschien. Im Jahr zuvor, 1972, verstarb Wilhelm Knabel, dem die ungarndeutsche Literatur viel mehr verdankt als man gemeinhin weiß.