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Helmut Herman Bechtel - Zoltán Szendi
Tradition und Modernität in der ungarndeutschen Literatur

Valeria Koch: Sinngedicht

Valeria Koch: Sinngedicht

Die Natur ist neutral
die Instinkte sind gut
das Fleisch sündigt nie
nur der Geist
der Geist

(1992)

 

Aufgaben zur Textbearbeitung (klicken Sie hier)

1. Erläutern Sie die Schlussfolgerung des Gedichtes aus der Sicht der Beziehung zwischen Natur und Geist.

2. Überlegen sie, ob auch der Geist „neutral“ sein kann.

 

Interpretation

Der in aphoristischer Kürze formulierte Text führt das keineswegs einfache Verhältnis zwischen Natur und Geist auf die Ausgangsposition zurück, wo der Mensch in seinem „Urzustand“ vor allem als Natur- und daraus folgend Triebwesen existierte. Erst mit der Herausbildung der höheren gesellschaftlichen Formen und mit der Entwicklung der Zivilisation sowie – damit unmittelbar verbunden – der normativen Moralvorstellungen, nach denen die Instinkte im Allgemeinen sündhaft sind, wurden Geist und Körper einander gegenübergestellt. Wie der Titel schon, so auch das Gedicht selbst verteidigt das „primäre“ Recht der Sinne. Gewiss unter dem Einfluss solcher berühmten Zivilisationskritiker wie z.B. Rousseau und Nietzsche.