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Helmut Herman Bechtel - Zoltán Szendi
Tradition und Modernität in der ungarndeutschen Literatur

Koloman Brenner: Täglich

Koloman Brenner: Täglich

silbern bleierne Kugel
der Zeit
treffen uns
täglich

am Bett
erliegen wir d
en lebenswichtigen
Verletzungen

unsere triefenden Wunden
verarzten wir morgens
unter der Dusche

 

Aufgaben zur Textbearbeitung (klicken Sie hier)

1. Welche Liebesbeziehung stellt das Gedicht dar?

2. Suchen Sie Bilder im Text, die auf die Disharmonie verweisen.

3. Welche Stellen zeugen besonders von bitterer Ironie?.

 

Interpretation

Schon der Titel deutet auf die ständige Wiederholung hin, was dann auch durch das im Text wiederkehrende Titelwort, sowie das Zeitadverb „morgens“ bestätigt wird. Die außergewöhnlich starke Metapher („silbernbleierne Kugel […] treffen uns”), die für die regelmäßige seelische Verwundung verwendet wird, charakterisiert bereits im Auftakt die sich befestigte Disharmonie in der Liebesbeziehung, die nicht einmal durch Umarmungen aufzuheben ist. Die tief ironische Wortwahl in den folgenden zwei Strophen zeugt von Bitterkeit, aber auch von Selbstkritik. Mit den geistreich sarkastischen Syntagmen ‒ „lebenswichtigen Verletzungen“, „triefenden Wunden verarzten” ‒ enthüllt das lyrische Ich die Anatomie der psychischen Aggression, die die Liebesharmonie endgültig zerstört.