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Helmut Herman Bechtel - Zoltán Szendi
Tradition und Modernität in der ungarndeutschen Literatur

Alfred Manz: Bilanz um die Jahrtausendwende

Alfred Manz: Bilanz um die Jahrtausendwende

Sprachverwurzelt
schafften noch unsere Großeltern.

Sprachlos,
in Traditionen verwurzelt
schuften unsere Eltern.
Entwurzelt

lernen unsere Kinder
wieder –
Hochdeutsch.

(2000)

 

Aufgaben zur Textbearbeitung (klicken Sie hier)

1. Wie wird in diesem kurzen Gedicht die Identitätsbewahrung bei den drei Generationen markiert?

2. Deuten Sie den widerspruchsvollen Sinn der Abschlussstrophe.

 

Interpretation

In epigrammatischer Kürze fasst der Dichter/das lyrische Ich den Prozess der sprachlichen Entwurzelung des Ungarndeutschtums im 20. Jahrhundert zusammen. Die lapidarisch-nüchternen Feststellungen verweisen indirekt auf das tragische Schicksal der Ungarndeutschen und legen zugleich Zeugnis ab von der zähen Beharrlichkeit bei der Bewahrung ihrer Identität drei Generationen hindurch. Der Abschlussteil ist mehrdeutig – auch hinsichtlich der Identitätsproblematik. Dass die Enkelkinder wieder Deutsch lernen, das kann – oder könnte – wohl ein Beweis für das Traditionsbewusstsein der jüngsten Generation sein. Der Bindestrich mit der Bemerkung „Hochdeutsch“ drückt zugleich die (notwendige) Entfernung zumindest von der Mundarttradition aus.